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Day 12 – Vom Rock zum Barock

Nach dem ganzen Rock’n’Roll am Wochenende war es sehr abwechskungsreich gestern in ein Barock Konzert zu gehen. Ich hatte ne Karte für ein Konzert im Harris Theater mit Musik von Händel und Bach.
Als Fazit würd ich sagen viel Licht aber auch ein wenig Schatten.
Zuerst einmal hat das “Foyer” vom Harris Theater, also da wo man sich was zu trinken holt und die Zeit vor dem Konzert und in der Pause verbringt, den Charme einer Tiefgarage in der man nachts nicht alleine durchlaufen will. Nichtmal ein paar Bistrotische waren aufgestellt. Nur eine rollende Bar…


Und dann so ein paar Kleinigkeiten während des Konzerts die den Gesamteindruck trübten:

  • die Gesangssolisten hatten kleine billige PET Wasserflaschen neben sich auf der Bühne stehen. Das kenn ich ja vielleicht von nem Rockkonzert, aber in ner Philharmonie?
  • a propos Rockkonzert: zwischen den Stücken kamen immer zwei Herren auf die Bühne die die notwendigen Änderungen an Stühlen etc. auf der Bühne durchführten. Roadies würde man bei nem Rockkonzert sagen. Nur sahen die in der Philharmonie auch aus wie Roadies. Einer in T-Shirt und Cargohose der andere in Pulli und Jeans und Turnschuhen. So was hab ich Köln oder anderswo in ner Philharmonie auch noch nicht gesehen.
  • beim Violinkonzert in a-moll von Bach hat die Solovioline der Konzertmeister selbst gespielt und nicht ein extra angeheuerter Solist. Das hat man leider auch etwas gemerkt. Im Fussball würde man sagen: die kreativen Ansätze im Mittelfeld waren erkennbar, nur der Zug zum Tor hat gefehlt. Nee im Ernst. Ein paar Töne hat er unsauber intoniert und an manchen Passagen hat sein Bogen nicht gereicht… Er hat es eher wie ein Vivaldi Stück gespielt. Es war sicherlich ein guter Auftritt, aber eben nicht vergleichbar wie wenn das zB Hilary Hahn gespielt hätte. So absolut reine Musik wie die von Bach verzeiht einfach keine Unsauberheiten.
  • die Solistin hat ihren kleinen 5 Minuten Part in einer Bach Kantate nicht frei sondern mit nem Notenständer gesungen. Auch ein Novum für mich. Strange. Wenn sie gesessen hat, hat der Notenständer ihren Kopf verdeckt und wenn sie stand den Oberkörper. Wieso kann sie die paar Noten nicht auswendig singen?

Dass das ging, konnte man dann im letzten Stück des Abends sehen. Die Kantate Apollo e Dafne von Händel. Hier war deutlich zu spüren, dass das das Stück war, das vom Orchetser und den Solisten richtig geprobt wurde. Es war das einzige Stück an dem Abend, für welches es eine Ansprache vom Dirigenten gab. Allerdings auch nur um zu sagen, dass er das Stück aus dramaturgischen Gründen um ein paar Arien gekürzt hat für den Abend. WTF? Anscheinend kürzen die Amis nicht nur ausländische Filme aus dramaturgischen Gründen.
Auf alle Fälle war Apollo e Dafne der Highlight des Abends. Die Sänger spielten ihre Parts szenisch wie in einer Oper und ohne Notenständer! Das Orchester war einen ganzen Deut besser als in den Stücken davor. Musikalisch konnte sich die Kantate blicken lassen. Hier gab es auch keine für mich hörbaren Patzer oder ähnliches und alle spielten zur Hochform auf. Leider zeigte das um so deutlicher, dass die vorherigen Stücke des Abends nur als Beiwerk ausgewählt wurden. Ich hoffe das kommt jetzt alles nicht zu negativ rüber. Denn bei alledem: die Musik von Händel und Bach ist natürlich über alle Zweifel erhaben und es war echt toll die Stücke so live zu hören.

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